FAQ zum Leitfaden

Hier sind einige häufige gestellte Fragen aus dem kollaborativen Entstehungsprozess (Online-Workshops, Individuelle Rückmeldungen von Beteiligten und aus Diskussionen z.B. bei der Vorstellung des Leitfaden-Prozesses beim Markt der Möglichkeiten im Rahmen des Forums Citizen Science) gesammelt und beantwortet:

Fragen zum Konzept und Prozess:

Von Anfang an war die Intention, Erkenntnisse zusammenzutragen und Hinweise, Empfehlungen und Denkanstöße zu geben – keine Vorgaben. Aus den Rückmeldungen im kollaborativen Prozess wurde klar, dass beim Begriff der Leitlinien für einige Verpflichtung, Vorgaben, Verbote mitschwingen. Weiterhin hat im Bereich der Medizin der Begriff der Leitlinien eine klar definierte Bedeutung, die unter anderem auch auf der wissenschaftlich-systematischen Ableitung von Empfehlungen empirisch gesicherter Erkenntnisse beruht.

Dies kann der Leitfaden aufgrund der Zielstellung und den zur Verfügung stehenden Materialien nicht leisten. Als Alternativvorschlag wurde der Begriff „Leitfaden“ gewählt, da er kurz und prägnant ist. Er beschreibt die Ziele, Hinweise zu geben und zu weiterführenden Materialien hinzuleiten, treffend. Andere Bezeichnungen wie Handreichung, Empfehlungen, oder Review würden nur einen Teil davon abdecken.

Der Leitfaden nimmt keine Verbindlichkeit in Anspruch. Er ist ein im Rahmen des Projektes PartWiss entwickeltes Angebot, in dessen Erstellung möglichst vielfältige Perspektiven aus unterschiedlichen Partizipations-Communities im Rahmen der Workshops und Kommentierung eingebunden werden sollten. Er soll damit anschlussfähig an viele Communities sein und zu einem weiteren Austausch und einer gemeinsamen Diskussion zur Weiterentwicklung von Partizipation in der Forschung beitragen kann. Aufgrund der Breite des Themas und der teilweise sehr spezifischen Kontexte wäre es ohnehin kaum möglich, in allen Details einen Konsens abzubilden, der eine Verbindlichkeit in allen Bereichen in Anspruch nehmen kann.

Der Leitfaden entstand im Rahmen des Projektes PartWiss, das die Vernetzung und inhaltliche Zusammenarbeit heterogener Partizipations-Communities zum Ziel hat. Der übergreifende Leitfaden zahlt konkret auf dieses Ziel ein. Die Erstellung des Leitfadens im Rahmen des Projektes wird vom BMBF gefördert. Die Entwicklung eines Leitfadens aus der Wissenschaft und Praxis heraus ist als ausdrücklicher Wunsch bei der Erarbeitung der Partizipationsstrategie Forschung des BMBF geäußert worden, um Partizipation für Interessierte zu erleichtern und die Qualität von Beteiligung zu stärken. Es ist daher als Maßnahme II.2 in die Partizipationsstrategie Forschung des BMBF aufgenommen worden. Die Entwicklung ist auch eine Empfehlung des Bürgerrats Forschung aus dem Jahr 2022. Weiterhin ergab auch eine Umfrage der PartWiss im Sommer 2023 ein sehr großes Interesse (80%) an Informationsangeboten.

Der hier erstellte Leitfaden ergänzt bereits vorhandene. Sein Alleinstellungsmerkmal ist, übergreifend zu bestehenden Ansätzen, Theorien, Praktiken oder Begriffen einen Einstieg in Partizipation in der Forschung zu bieten und gemeinsame Herausforderungen und Hinweise zu benennen. Dabei verweist er auf bestehende Materialien wie Leitfäden, Handreichungen oder Toolboxen, die dann relevant sind, wenn es an die konkrete Umsetzung eines partizipativen Ansatzes geht.

Der Leitfaden soll ein Angebot für einen Einstieg und Überblick sein. Gleichzeitig soll er auch ein Anlass für einen Austausch über einzelne partizipative Ansätze hinweg schaffen und einen Blick über den Tellerrand ermöglichen.

Dieser übergreifende Leitfaden kann nur einen Einstieg vermitteln und Anregungen bieten. Für die konkrete Implementierung eines partizipativen Projektes sind dann die spezifischen Leitfäden/Handreichungen/usw. im für den gewählten partizipativen Ansatz unerlässlich. Dabei kann allerdings der Einblick in praktische Empfehlungen aus anderen Ansätzen durchaus auch wertvolle Hinweise geben.

Zum einen ist die Kürze eine gezielte Design-Entscheidung: Der Leitfaden soll kein umfangreiches Handbuch oder detaillierte wissenschaftliche Monographie ersetzen. Stattdessen soll er kurz, fokussiert und ansprechend einen Einstieg bieten und Anregungen vermitteln. Zum anderen ist die Gestaltung als Karten eine weitere bewusste Abgrenzung zu längeren Berichten oder Handreichungen, die in der Regel von den Lesenden für sich selbst und tendenziell linear von vorne nach hinten aufgenommen werden. Das modulare Format der Karten ermöglicht es, eigene Sets zusammenzustellen und insbesondere auch die Karten als Diskussionsgrundlage und Methode in Gruppengesprächen oder Workshops zu nutzen.

Die Karten des Leitfadens sind explizit ein modulares Konzept. Die Nummerierung der Karten ist als Orientierung beim Betrachten und beim Einsatz gedacht und stellt keine Wertung dar. (Für die aufmerksamen Betrachter:innen: Die Nummerierung der Karten zu den einzelnen partizipativen Ansätzen im ersten Teil des Leitfadens folgt der Platzierung in der Typologie im Uhrzeigersinn, oben beginnend. Die Nummerierung der zehn Handlungsfelder im zweiten Teil ist grob und lose an Schritten der Konzeption und Umsetzung eines partizipativen Prozesses ausgerichtet. Dies ist aber eine willkürliche Setzung, die keine weitere Bedeutung hat.) Nutzen und sortieren Sie die Karten so, wie es für Sie passt.

Einerseits wurden gezielt zu den geplanten Perspektivenschwerpunkten der Online-Workshops geeignete Teilnehmende aus den Netzwerken der Projektpartner:innen angesprochen. Dabei wurde eine möglichst diverse Einbindung der Partizipationscommunities und von Forschung und Praxis angestrebt. Darüber hinaus wurde der Teilnahmehinweis auch über die Programmkommission und die assoziierten Partner:innen mit:forschen! und GTPF verbreitet und dort je nach Kontext weiter gestreut. Interessierte konnten sich darauf auch selbst zur Teilnahme anmelden. Die begleitende PartWiss Programmkommission wurde aus dem Projektteam heraus eingeladen. Sie wird jährlich neu zusammengesetzt aus Vertreter:innen verschiedener Partizipationscommunities sowie Stakeholder:innen aus der Förderung und Praxis (siehe Programmkommission)

Fragen zum Inhalt:

„Partizipation in der Forschung“ soll deutlich machen, dass es sowohl um verschiedene Formen des Forschens und der Wissensgenerierung geht als auch dass dies nicht notwendigerweise exklusiv an klassische Wissenschaftseinrichtungen gebunden sein muss. In etlichen partizipativen Ansätzen ist eine klare Trennung zu Partizipation in Politik, in Verwaltungs- und Planungsverfahren, in gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Prozessen kaum möglich. Vielmehr denken etliche Ansätze dies explizit zusammen. Diese Aspekte sollen deswegen keinesfalls ausgeschlossen sein, die Bezeichnung macht aber den Perspektivenfokus auf Forschung deutlich.

Der Leitfaden bezieht sich schwerpunktmäßig auf die Partizipation von Bürger:innen und Zivilgesellschaft. Allerdings ist hier wie zuvor genannt eine klare Trennung kaum möglich, da etliche partizipative Ansätze explizit die Partizipation verschiedener Stakeholder gemeinsam betrachten.

Um eine fokussierte Gestaltung zu ermöglichen, muss auch die Auswahl der für die Anwendung adressierten Zielgruppen fokussiert sein. Dieser Leitfaden richtet sich primär an Akteur:innen und Institutionen, die partizipative Prozesse in der Forschung gestalten möchten und die über den organisationalen Kontext und Ressourcen verfügen, dies auch umsetzen zu können. Er setzt auch zumindest einige Grundkenntnisse zu Partizipation voraus, um eine kondensierte Darstellung zu ermöglichen. Unter Berücksichtigung dieser Entscheidung zum Konzept sind einzelne interessierte Bürger:innen aber ebenfalls eingeladen, diesen Leitfaden als Informationsquelle zu nutzen, auch wenn diese nicht die primäre Zielgruppe sind. An dieser Stelle sei daneben auf andere bestehende Einstiegswerke oder auch für konkreten Kontexte relevante spezifische Leitfäden oder Handreichungen verwiesen.

Genauso wie der Leitfaden ist auch die Typologie partizipativer Communities und Begriffe ein Angebot zur Auseinandersetzung mit einem heterogenen Feld und eine Strukturierungshilfe. Ebenso gleichermaßen sind in beiden Fällen Zuordnungen oft schwer und kaum trennscharf möglich, alleine schon, weil Begriffe uneinheitlich und in wechselnden Bedeutungen verwendet werden. Als Alleinstellungsmerkmal zu andere, ggf. theoretisch klarer verankerten Typologien, bindet diese Typologie eine sehr breite und heterogene Vielfalt partizipativer Ansätze ein und bietet einen Zugang und ersten Überblick.

Ziel dieses Teil des Leitfadens ist es, einen Überblick und Einstieg zu bieten, und nicht eine umfassende Literaturdatenbank abzubilden. Daher ist die Anzahl der Quellen auf drei bis vier beschränkt für einen ersten Zugang. Bei der Auswahl wurden insbesondere praxisorientierte Handreichungen, Toolboxen, bestehende Leitfäden oder Überblicksarbeiten bevorzugt. Wissenschaftliche Fachartikel oder umfangreichere Handbücher oder Monographien sind nur im Ausnahmefall einbezogen. Wichtigste Auswahlkriterien waren eine Praxisorientierung, eine kurze und übersichtliche Darstellung und zugängliche Struktur und Gestaltung.

Bei mehreren geeigneten Quellen wurde solche mit einem breiteren Kontext und einer breiteren Verankerung bevorzugt (zum Beispiel Handreichungen aus übergreifenden Communities oder weiter vernetzten Projekten anstatt aus nur einem beschränkten Kontext eines einzelnen Instituts). Die ausgewählten Quellen sollen frei zugänglich sein und bevorzugt als fixiertes Dokument, in der Regel als pdf-Datei, vorliegen, um unter Umständen häufiger wechselnde Inhalte auf Webseiten zu vermeiden. Der Leitfaden kann aber keine Langzeitverfügbarkeit der angegebenen Quellen garantieren. Es wurden Quellen bevorzugt aus dem deutschsprachigen Kontext ausgewählt, sofern dort keine geeigneten Materialien verfügbar waren auch internationale Materialien.

Der Zuschnitt und die Zuordnung einzelner Aspekte ist oft nicht eindeutig gestaltbar und könnte mit guten Argumenten auch anders erfolgen. Viele der Aspekte, aber auch der Handlungsfelder an sich hängen eng miteinander zusammen (z.B. Ziele – Zielgruppen – Formate). Die Zuordnung wurde unter Einbeziehung des Feedbacks aus den Workshops so getroffen, dass die einzelnen Aspekte auffindbar sind und möglichst verteilt. An manchen Stellen sind explizite Querverweise zu anderen Handlungsfeldern enthalten, allerdings war die nicht überall möglich um die angestrebte Kürze und Fokussierung nicht zu verlieren. Die kombinierte Gestaltung als analoges und digitales Format macht leider keine Intensive Querverlinkung möglich.

Der Leitfaden bezieht Vorschläge und Priorisierungen aus der kollaborativen Ausarbeitung ein. Aufgrund der angestrebten Kürze und Fokussierung und der begrenzten Zeit und Ressourcen für die Erstellung war es aber vorerst nicht möglich, alle denkbaren Aspekte abzubilden. Im Prozess wurden Auswahlentscheidungen getroffen. Durch den modularen Aufbau in Kartenform sind aber spätere Erweiterung durchaus möglich und einfach umsetzbar. Die Auswahl der abgebildeten partizipativen Ansätze erfolgte nach Relevanz/Verbreitung und direktem Bezug zu Partizipation in der Forschung. Vorerst sind deshalb weitere Vorschläge wie z.B. Service Learning, Street Science, Third Mission oder Science Engagement nicht enthalten. Aber auch sie sind für eine spätere Erweiterung denkbar.

Der Wunsch dazu wurde im Rahmen der kollaborativen Ausarbeitung an verschiedenen Stellen geäußert. Die Darstellung von Fallbeispielen / Case Studies ist eine gute Methode, die sich auch in vielen der bestehenden Leitfäden zu einzelnen partizipativen Ansätzen auch findet. Aufgrund der angestrebten Breite des Leitfadens als Überblick und der begrenzten Ressourcen war es vorerst nicht möglich, dies hier auch noch mit einzubinden. Durch den modularen Aufbau in Kartenform ist aber eine spätere Erweiterung um Fallbeispiele möglich und einfach umsetzbar.

Zu den anderen Teilen des Leitfadens:​

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